In einer idealen Welt verliert das Thema Barrierefreiheit an Bedeutung

Andy Schammo arbeitet hauptberuflich als Lehrkraft und versteht Bildung als einen lebenslangen Prozess, bei dem jeder Mensch jeden Tag dazulernen kann. Seit vielen Jahren beschäftigt er sich mit Fragen der Antidiskriminierung, Chancengleichheit und Inklusion. Sowohl seine Bachelorarbeit in Erziehungswissenschaften als auch seine Masterarbeit im Bereich Schulmanagement und Schulentwicklung widmete er diesem Themenfeld. Neben seiner beruflichen Tätigkeit engagiert er sich im CET, dessen Kollegium er seit 2025 angehört. Seit Januar 2026 ist er Präsident des CET.

 

Herr Schammo danke für ihre Zeit. Für unsere Leser die das Das Zentrum für Gleichbehandlung (CET) nicht kennen, können Sie uns Ihren Dienst bitte mal kurz vorstellen?

Das CET wurde im Rahmen des Gesetzes vom 28. November 2006 gegründet. Das CET arbeitet unabhängig und hat die Aufgabe, die Gleichbehandlung aller zu fördern, zu analysieren und zu beobachten beziehungsweise eine Diskriminierung aufgrund von „rassischer“ oder ethnischer Zugehörigkeit, Geschlecht, sexueller Orientierung, Religion oder Glaubensbekenntnis, Behinderung oder Alter zu verhindern.

Das CET besteht aus einem Kollegium von 5 Mitgliedern, die vom Parlament gewählt werden. In unserer täglichen Arbeit werden wir aktuell von 4 Vollzeitangestellten unterstützt. Personen, die mit einer Diskriminierung konfrontiert wurden, oder Fragen zu der Thematik haben können sich an uns wenden. Das CET kann dann die Person, die sich an uns wendet, beraten oder auch Sensibilisierungsschreiben versenden. Allerdings ist es aktuell so, dass das CET keine bindenden Maßnahmen ergreifen kann, um dieser Diskriminierung ein Ende zu bereiten und auch nicht die Opfer vor Gericht vertreten kann. Dies wird sich voraussichtlich bald durch die Umsetzung neuer EU-Richtlinien (EU/2024/1499 und EU/2024/1500) ändern. Diese müssen bis zum 19. Juni 2026 ins nationale Recht umgesetzt werden.

Mission des OSAPS ist es unter anderem ja sicher zu stellen, Diskriminierung durch nicht barrierefreie Produkte und Dienstleistungen zu unterbinden. Auf welche immer wiederkehrenden Barrieren für Menschen mit Behinderungen stößt das CET bei ihrer täglichen Arbeit?

Ohne konkrete Fälle ansprechen zu wollen: Allgemein wird das CET immer wieder mit dem Spannungsfeld zwischen (vermeintlichen) Kosten und (vermeintlich) eingeschränktem Nutzen von Barrierefreien Maßnahmen beschäftigt. Viele Menschen sind sich bewusst, dass gewisse Barrieren existieren, scheitern aber daran diese aus dem Weg zu schaffen da eine reine Kosten/Nutzen-Berechnung, ihrer Ansicht nach, nicht aufgeht.

Bei den Problemen kann es sich um eigentlich einfach umsetzbare Lösungen handeln wie das Anbringen einer Rampe um Geschäftsräume zugänglich zu machen oder die Verfügbarkeit von Parkplätzen für Menschen mit Beeinträchtigungen. Andererseits gibt es auch komplexere Anliegen. Hierbei kann es sich um die technisch bedingte Zugänglichkeit von medizinischen Untersuchungen oder der unter Umständen legal mögliche Ausschluss aus Versicherungen handeln. Andere Schwierigkeiten sind oft auf einen Mangel an Schulungen des für den Empfang oder die Betreuung zuständigen Personals zurückzuführen.

Wie stellen Sie sich die Zusammenarbeit zwischen dem CET und dem OSAPS vor?

Eine gute Zusammenarbeit funktioniert immer dann am besten, wenn alle Seiten die jeweiligen Stärken der anderen kennen und somit eventuelle Lücken im eigenen Kompetenz- beziehungsweise Aktionsbereich füllen können. Darüber hinaus ist ein regelmäßiger Austausch über aktuelle Themen in vielerlei Hinsicht wichtig. Da das CET für mehrere Diskriminierungsmotive zuständig ist, ist der Austausch mit spezialisierten Stellen wie dem OSAPS besonders wichtig. Diese Stellen haben die Möglichkeit sich voll dieser Aufgabe zu widmen während etwas breiter angelegte Stellen wie das CET Kompetenzen und Wissen aus sehr unterschiedlichen Themenbereichen mitbringen können.

Zum Schluss, was erhoffen sie sich in Zukunft generell beim Thema „Barrierefreiheit“?

In einer idealen Welt verliert das Thema Barrierefreiheit an Bedeutung und Design 4 all ist eine Herangehensweise die allgemein, ohne lange darüber nachzudenken, angewendet wird. Bis es so weit ist, hofft das CET, dass Barrierefreiheit auf größere Akzeptanz trifft, dass Menschen nicht mehr mit Kosten argumentieren und darauf verweisen, dass es sich vermeintlich nur um eine kleine Minderheit handelt, die von barrierefreien Produkten und Dienstleistungen profitieren.

Vielen Dank für dieses kurze Gespräch.

 

Kontaktdaten vom CET plus Foto

  • 65, route d’Arlon L-1140 Luxembourg
  • Telefon: (+352) 28 37 36 35
  • E-Mail: info@cet.lu

 

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