Interview mit Ben Max von der Abteilung für digitale Inklusion im Ministerium für Digitalisierung

Ben Max hat einen Master of Science in Global History von der London School of Economics und einen Master of Arts in Global Studies von der Universität Leipzig, den er in Wien, Leipzig und London absolvierte. Er begann seine berufliche Laufbahn im Sekundarschulwesen und wechselte anschließend zur „Action Solidarité Tiers Monde“ (ASTM), wo er das Informationszentrum „Tiers Monde“ sowie die Aktivitäten zur Erziehung zu globaler und solidarischer Bürgerschaft leitete. Seit Mai 2019 ist er Abteilungsleiter „Förderung der digitalen Inklusion“ im Ministerium für Digitalisierung, wo er insbesondere die Ausarbeitung der beiden nationalen Aktionspläne zur digitalen Inklusion in Luxemburg geleitet, hat

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Herr Ben Max, vielen Dank, dass Sie sich etwas Zeit für uns nehmen. Können Sie für unsere Leser, die die Abteilung für digitale Inklusion noch nicht kennen, Ihre Abteilung kurz vorstellen?

Vielen Dank für Ihr Interesse an unserer Arbeit. Die Abteilung für digitale Inklusion, die dem Ministerium für Digitalisierung angegliedert ist, sorgt dafür, dass der digitale Wandel in Luxemburg allen zugutekommt.

Unsere Aufgabe ist es, die digitale Welt für jeden Bürger zugänglich, verständlich und nutzbar zu machen, unabhängig von Alter, Kompetenzen oder Lebensumständen. So koordinieren wir die nationale Strategie zur digitalen Inklusion in enger Zusammenarbeit mit Ministerien, Behörden, Gemeinden und der Zivilgesellschaft. Dieser bereichsübergreifende Ansatz konkretisiert sich insbesondere durch eine interministerielle Arbeitsgruppe, in der 15 Ministerien vertreten sind.

Unsere Arbeit stützt sich auf den Nationalen Aktionsplan zur digitalen Inklusion. Nach einem ersten Plan (2021–2024) mit 40 Initiativen setzen wir derzeit den zweiten Plan (2026–2030) um, der sich an sechs Schwerpunkten orientiert, darunter digitale Kompetenzen, Zugang, Selbstständigkeit sowie die Aufrechterhaltung nicht-digitaler Alternativen.

Im Alltag bedeutet dies die Unterstützung von Projekten vor Ort, die Entwicklung von Initiativen, die Durchführung von Studien und die Förderung einer verstärkten persönlichen Begleitung. Unser Ziel ist klar: Wir wollen sicherstellen, dass niemand zurückbleibt, und jedem ermöglichen, uneingeschränkt an der digitalen Gesellschaft teilzuhaben.

Eine der Aufgaben der OSAPS besteht darin, Wirtschaftsakteure für die Bedeutung der digitalen Barrierefreiheit zu sensibilisieren. Mit welchen wiederkehrenden Hindernissen ist Ihre Abteilung in ihrer täglichen Arbeit zugunsten von Menschen mit Behinderungen konfrontiert?

Diese Frage betrifft eine Arbeit, die in enger Zusammenarbeit mit anderen Ministerien und Behörden durchgeführt wird, wobei jede Stelle in ihrem jeweiligen Zuständigkeitsbereich tätig ist, insbesondere die OSAPS.

Seitens des Ministeriums für Digitalisierung ist die digitale Barrierefreiheit eine konkrete Priorität. Das Zentrum für Informationstechnologien des Staates (CTIE) sorgt somit dafür, dass öffentliche Websites und Anwendungen den Vorgaben des Renow-Referenzrahmens entsprechen, und „ “ führt regelmäßig Nutzertests durch, insbesondere auf Guichet.lu und MyGuichet.lu, um deren Nutzbarkeit für möglichst viele Menschen zu gewährleisten.

In der Praxis liegen die größten Hindernisse nicht in einem Mangel an Rahmenbedingungen oder Willen, sondern vielmehr in einem noch unzureichenden Verständnis von Barrierefreiheit. Allzu oft wird sie als technische Einschränkung oder zusätzliche Kosten wahrgenommen und daher nicht ausreichend als echter Hebel für Qualität und Inklusion integriert, obwohl sie der gesamten Bevölkerung zugutekommt.

Ein weiterer großer Herausforderungsfaktor ist mangelnde Vorausschau: Barrierefreiheit wird noch zu oft erst spät berücksichtigt, was ihre Integration erschwert. Hinzu kommt ein Mangel an spezifischen Kompetenzen sowohl im öffentlichen als auch im privaten Sektor, weshalb es wichtig ist, die Sensibilisierung, Schulung und Begleitung der Akteure zu verstärken.

Schließlich erfordert die Vielfalt der Behinderungssituationen maßgeschneiderte Lösungen und einen Ansatz, der auf gemeinsamer Gestaltung, Nutzertests und der Beibehaltung nicht-digitaler Alternativen basiert.

Allgemeiner betrachtet zeigen unsere Studien, dass 44 % der Internetnutzer bereits einmal aufgrund der Komplexität auf die Erledigung eines Verwaltungsvorgangs im Internet verzichtet haben, was das Ausmaß der Herausforderung verdeutlicht. Es handelt sich also um eine ebenso kulturelle wie organisatorische Herausforderung: Barrierefreiheit zu einer Selbstverständlichkeit zu machen. Eine Überzeugung, die wir vollkommen mit der OSAPS teilen, da sie eine wesentliche Voraussetzung für eine wirklich inklusive Gesellschaft darstellt.

Wie stellen Sie sich die Zusammenarbeit zwischen Ihrem Ministerium und der OSAPS vor?

Die Zusammenarbeit mit der OSAPS fügt sich nahtlos in unseren Ansatz ein, der auf Partnerschaft und bereichsübergreifender Zusammenarbeit basiert. Kein Akteur kann die Herausforderungen der digitalen Inklusion allein bewältigen: Deshalb arbeiten wir eng mit zahlreichen Partnern, darunter der OSAPS, an einer gemeinsamen Vision zusammen.

Wir teilen das Ziel, digitale Barrierefreiheit bereits bei der Konzeption von Diensten zu verankern und nicht erst nachträglich anzupassen. In diesem Rahmen ergänzen sich die Rollen: Die OSAPS bringt ihr Fachwissen ein, insbesondere hinsichtlich der Bedürfnisse von Menschen mit Behinderungen und der Umsetzung gesetzlicher Anforderungen, während unser Ministerium im Vorfeld tätig ist und sich um die Koordination, die Strategie sowie die Begleitung öffentlicher und privater Akteure kümmert.

Diese Zusammenarbeit basiert auf einem ständigen Dialog und schlägt sich in konkreten Maßnahmen nieder: Sensibilisierung, Schulungen, praktische Hilfsmittel oder auch gemeinsame Entwicklungsinitiativen mit den Nutzern. Der Nationale Aktionsplan für digitale Inklusion 2026–2030 bildet in dieser Hinsicht einen strukturierenden Rahmen, um diese Synergien zu stärken und die Akteure kohärent zu begleiten.

Über die gesetzlichen Verpflichtungen hinaus ist es unser Ziel, eine positive Sichtweise auf Barrierefreiheit zu fördern – als Motor für Qualität, Innovation und Vertrauen. Gemeinsam setzen wir uns dafür ein, die digitale Transformation zu einer Chance für alle zu machen, und achten dabei darauf, dass niemand zurückbleibt.

Zum Schluss: Was sind Ihre Hoffnungen für die Zukunft im Bereich der Barrierefreiheit?

Unsere größte Hoffnung ist, dass digitale Barrierefreiheit zur Selbstverständlichkeit wird und nicht länger ein separates Thema bleibt. Langfristig sollte sie selbstverständlich in jeden Dienst, jedes Produkt und jede öffentliche Politik integriert werden – als echtes Qualitätskriterium und nicht als Einschränkung.

Wir wünschen uns eine Weiterentwicklung der Praktiken hin zu einer systematischen Berücksichtigung bereits in der Konzeptionsphase, wobei die betroffenen Nutzer stärker einbezogen werden. Genau das ist das Ziel des Nationalen Aktionsplans 2026–2030: vorausschauend zu handeln, gemeinsam zu gestalten und wirklich inklusive Dienste zu entwickeln.

Konkret hoffen wir, einen entscheidenden Meilenstein zu erreichen: öffentliche Dienstleistungen, die für alle konzipiert sind, die Beibehaltung nicht-digitaler Alternativen und Bürger, die digitale Technologien vertrauensvoll und selbstständig nutzen können. Dabei geht es auch darum, ein Umdenken zu bewirken und daran zu erinnern, dass Barrierefreiheit der gesamten Bevölkerung zugutekommt, weit über Menschen mit Behinderungen hinaus.

Schließlich sehen wir in neuen Technologien wie der künstlichen Intelligenz eine große Chance, die Inklusion zu stärken – vorausgesetzt, sie werden verantwortungsbewusst entwickelt. Dieses Ziel ist ein gemeinsames Anliegen: Nur wenn wir alle Akteure mobilisieren, können wir eine gerechtere, einfachere und wirklich inklusive digitale Gesellschaft aufbauen, in der niemand zurückgelassen wird.

Vielen Dank für dieses kurze Interview.

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