In Luxemburg gibt es nach wie vor keine sprechenden Bankomaten
Interview mit Alain Forotti, begeisterter Eurovision Song Contest (ESC) BegleiterHerr Forotti, danke für ihre Zeit. Für unsere Leser, die Sie nicht kennen, können Sie sich bitte mal kurz vorstellen?
Ich bin Alain Forotti, Luxemburger, lebe in Greiveldange und Berlin. Ich arbeite hauptberuflich in Bertrange im CDV, Luxemburgs Blindenschule. Dort mache ich Schriftmaterialien für Blinde und Sehbehinderte zugänglich. Nebenbei arbeite ich in unregelmäßigen Abständen beim Belgischen Rundfunk in Eupen als Reporter/Interviewer/Moderator.
Hin und wieder bin ich mit meiner Promotion-Agentur aktiv und helfe Musikern, berühmt zu werden. In dem Zusammenhang habe ich in der Vergangenheit beispielsweise mit Mungo Jerry, Andreas Martin und Olaf Henning zusammengearbeitet. Letzterem verhalf ich zu seinem großen Erfolg, den er seit Jahrzehnten im deutschsprachigen Raum hat. Meine Hobbies sind das Reisen (ich war bereits in 61 Ländern) und der Eurovision Song Contest und dessen „kleiner Bruder“ Junior Eurovision Song Contest.
Diese Veranstaltungen begleite ich mit meinem Mikrofon und Fachwissen seit 35 Jahren für diverse Hörfunksender im deutschsprachigen Raum. Ich habe mich in dem Zusammenhang riesig gefreut, dass Luxemburg nach dieser langen Pause wieder mit am Start ist und mich geärgert, dass der Prophet im eigenen Land keine Aufgabe übertragen bekam von den hiesigen Medien! Ansonsten gehe ich gern zu Straßenfesten und ähnlichen Events.
Mission des OSAPS ist es unter anderem ja sicher zu stellen, dass die Barrierefreiheit von Produkten und Dienstleistungen verbessert wird. Auf welche immer wiederkehrenden Barrieren stoßen Sie selbst immer wieder?
Beim bargeldlosen Bezahlen setzen sich in letzter Zeit zum Beispiel immer mehr Touch-Screen-Geräte durch und so kann man als Blinder den Code nicht mehr ohne fremde Hilfe eingeben und es ist eigentlich verboten, diesen Code jemandem zu geben. Bis vor kurzem gab es Tastaturen, bei denen ich problemlos den vierstelligen Code eintippen konnte. Dieses gibt es immer noch, aber eben immer seltener.
Dann gibt es in Luxemburg nach wie vor keine sprechenden Bankomaten, obwohl diese in unseren Nachbarländern schon seit 30 Jahren zu finden sind „Sprechende Geldautomaten“ sorgen für mehr Lebensqualität, in dem sie für blinde, lese- oder seheingeschränkte Menschen, im Detail, sämtliches notwendiges Handling ansagen. Die neuen Technologien, die auf Bildschirmen und Tastaturen hinzugefügt werden, müssen alle Behinderungen (motorische, visuelle, auditive) berücksichtigen, damit die betroffenen Bürger von Funktionen wie den folgenden profitieren können:
- Sprachbefehle;
- Kopfhöreranschluss;
- Bildschirm mit verstärktem Kontrast;
- Texte in Großschrift.
Schlussendlich sind die meisten Internetseiten (auch im öffentlichen Sektor) trotz neuem Gesetz oft nicht barrierefrei und ich brauche dann fremde Hilfe, denen ich anvertrauen muss, welche Seiten ich aufrufe.
Was bedeutet Inklusion für Sie? Wann ist oder wird sie Ihrer Meinung nach erreicht sein?
Inklusion bedeutet für mich, dass es jederzeit normal ist, dass eine Person mit Einschränkung mit seiner Hilfebedürftigkeit ernst genommen wird. Dadurch, dass die Schulen bereits gute Arbeit leisten, Menschen mit Behinderungen in den Regelschulen zu integrieren, ist es für die Kinder ohne Behinderung eine Selbstverständlichkeit, dass vielleicht die beste Freundin blind ist, und sie werden für das Thema sensibilisiert und sind später mit dem Thema Behinderung vertraut und es ist kaum erwähnenswert, ob jemand behindert ist oder nicht.
Andersherum haben die Behinderten bei einer perfekten Inklusion nicht mehr das Problem, dass sie – wie es in vielen Fällen der Fall ist -, hauptsächlich untereinander ihre Freunde oder Partner haben.
Zu 100 % ist die Inklusion vielleicht in ein paar Jahrzehnten erreicht und wenn ich es auf die ganze Welt beziehen soll, dann vermutlich niemals.
Zum Schluss, was erhoffen sie sich in Zukunft generell beim Thema „Barrierefreiheit“?
Ich erhoffe mir, dass es so positiv weiterläuft. Es ist in den letzten Jahren viel passiert, aber manche ignorieren es dann doch ganz gern.
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