Oft mangelt es einfach am Bewusstsein, dass die Bedürfnisse der Verbraucher nicht identisch sind.
Interview mit Marie-Josée Ries, von der Direktion für den Verbraucherschutz im Landwirtschaftsministerium
Marie-Josée Ries leitete von 2009 bis Dezember 2018 die Abteilung für Binnenmarkt und Verbraucherpolitik im luxemburgischen Wirtschaftsministerium, bevor sie ihre Tätigkeit im neu geschaffenen Ministerium für Verbraucherschutz aufnahm, das seitdem für die Verbraucherschutzpolitik in Luxemburg zuständig ist. Seit der Umstrukturierung im Jahr 2023 hat die Direktion für Verbraucherschutz die Aufgaben der ehemaligen Abteilung übernommen, und sie leitet die Abteilung, die für die wirtschaftlichen Interessen der Verbraucher zuständig ist.
Sie hat einen MA (Magister artium) in Geisteswissenschaften von der Albert-Ludwigs-Universität Freiburg (DE) und einen DEC (Diplôme d’études complémentaires) in Wirtschaftswissenschaften von der Université catholique de Louvain-la-Neuve.
Frau Ries danke für ihre Zeit. Für unsere Leser, die die Direktion für Verbraucherschutz (DPC) nicht kennen, können Sie uns Ihren Dienst bitte mal kurz vorstellen?
Unsere Direktion ist verantwortlich für die Verbraucherschutzpolitik in Luxemburg und bestrebt, ein Umfeld zu schaffen, in dem die Verbraucher informiert, aufgeklärt und geschützt sind. Wir unterstützen aktiv die Weiterentwicklung der Verbraucherpolitik im Binnenmarkt sowie deren Umsetzung auf nationaler Ebene und stellen sicher, dass die Rechte der Verbraucher bei Geschäftstransaktionen gewahrt werden.
Mission des OSAPS ist es unter anderem ja sicher zu stellen, Wirtschaftsakteure für die Wichtigkeit der Barrierefreiheit zu sensibilisieren. Auf welche immer wiederkehrenden Barrieren für Menschen mit Behinderungen stößt die DPC bei ihrer täglichen Arbeit?
Der Verbraucherschutz in der EU geht bereits sehr weit, nicht umsonst gelten die Verbraucher in der Europäischen Union als die am besten geschützten weltweit. Grundannahme für viele Regeln in unserem Bereich ist, dass es einen sog. Durchschnittsverbraucher gibt, der „durchschnittlich informiert, aufmerksam und umsichtig“ ist. Auch wenn es zusätzlich viele spezifische Gesetze und Verordnungen gibt, um spezielle Gruppen zu unterstützen bzw. zu schützen, gibt es jedoch auch eine gewisse Tendenz, „die“ Verbraucher über einen Kamm zu scheren. Im täglichen Leben sehen wir, dass dies nicht der Realität entspricht, z.B. wenn wir Preiskontrollen in den Geschäften machen und die Preisinformation so hoch oben an einer Wand angeschlagen wird, dass eine kleine Person oder eine Person im Rollstuhl beispielsweise diese nicht entziffern kann oder wichtige Information nur im Kleingedruckten zu finden sind.
Oft mangelt es einfach am Bewusstsein, dass die Bedürfnisse der Verbraucher nicht identisch sind. Wobei ich betonen möchte, dass sobald wir auf derartige Mängel aufmerksam machen, der Wille zur Verbesserung durchaus bei den Geschäftsleuten vorhanden ist.
Wie stellen Sie sich die Zusammenarbeit zwischen der DPC und dem OSAPS vor?
Ich glaube, beide Seiten können voneinander lernen und durch die Zusammenarbeit ihr jeweiliges Aufgabenfeld weiter voranbringen. Was will ich hiermit sagen? Der Fokus des OSAPS liegt auf der Barrierefreiheit, der unserer Direktion auf dem Verbraucherschutz. Wenn wir beide näher aneinander bringen und es schaffen, Situationen oder Probleme durch beide Linsen zu betrachten, können wir bestimmt Lösungen entwickeln, die allen Verbrauchern, mit (dauerhafter) oder ohne Behinderung, zugutekommen.
Zum Schluss, was erhoffen sie sich in Zukunft generell beim Thema „Barrierefreiheit“?
Es wäre wünschenswert, wenn sich die Konzeption von barrierefreien Produkten und Dienstleistungen zum Standard entwickeln würde, dies also derart in unserer DNA verankert wäre, dass Angebote, die nicht per se barrierefrei sind oder zumindest ohne großen Aufwand barrierefrei gemacht werden können, nicht auf den Markt kämen. „Die“ Verbraucher könnten dann ihren Wünschen und Bedürfnissen entsprechend ihre Konsumentscheidungen treffen und von den Angeboten profitieren.
Vielen Dank für dieses kurze Gespräch.
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