Die größte Barriere für Menschen mit einer Hörschädigung ist die Kommunikation und damit der Zugang zu Informationen.

Interview mit Sabrina Collé, Direktionsbeauftragte der HörgeschädigtenBeratung

 

Frau Collé danke für ihre Zeit. Für unsere Leser die die HörgeschädigtenBeratung nicht kennen, können Sie uns Ihren Dienst bitte mal kurz vorstellen?

Die HörgeschädigtenBeratung ist eine soziale Beratungsstelle spezifisch für Menschen mit einer Hörschädigung. Jede hörgeschädigte Person, die in Luxembourg wohnt und/oder arbeitet kann die Dienstleistungen der HörgeschädigtenBeratung in Anspruch nehmen. Wir begleiten und beraten die Personen in den Bereichen Soziales und Arbeit, also zum Beipsiel bei Fragen zu gesundheitlichen Untersuchungen, Finanzen oder Arbeitssuche. Auch beraten und informieren wir Familienangehörige, Institutionen und Interessierte über die Situation und Kommunikation von Menschen mit einer Hörschädigung. Zu unserem Team gehören auch eine Gebärdensprach- und eine Schriftdolmetscherin. Institutionen, die ihre Veranstaltung für hörgeschädigte Menschen zugänglich machen wollen, können sich gerne für die Organisation der Dolmetschungen an uns wenden. Ausserdem bieten wir auch Weiterbildungen und Sensibilisierungen an. Weitere Infomationen erhalten Sie auf unserer Internetseite.

Mission des OSAPS ist es unter anderem ja sicher zu stellen, Wirtschaftsakteure für die Wichtigkeit der Barrierefreiheit zu sensibilisieren. Auf welche immer wiederkehrenden Barrieren für Menschen mit Behinderungen stößt die HörgeschädigtenBeratung bei ihrer täglichen Arbeit?

Die größte Barriere für Menschen mit einer Hörschädigung ist die Kommunikation und damit der Zugang zu Informationen. Viele alltägliche Situationen sind für sie erschwert, da öffentliche Einrichtungen, Internetseiten, Bankautomaten oder andere digitale Dienste oft nicht vollständig barrierefrei gestaltet sind.

Häufig fehlt zudem die Möglichkeit, sich schriftlich an einen Dienst zu wenden. Da viele Menschen mit Hörschädigung nicht oder nur eingeschränkt telefonieren können, führt dies dazu, dass sie bestimmte Aufgaben des Alltags nicht selbstständig erledigen können.

Auch visuelle Hinweise werden häufig vernachlässigt. Ansagen in öffentlichen Verkehrsmitteln, Geschäften oder Krankenhäusern sind meist nur akustisch vorhanden. In Krankenhäusern werden Patienten häufig über das Lautsprechersystem aufgerufen, das meist zu leise ist und von Hintergrundgeräuschen überdeckt wird. Viele Menschen mit Hörschädigung hören ihren Namen so nicht und verpassen wichtige Informationen.

Ebenso fehlen technische Hilfsmittel wie Induktionsschleifen oder Hörhilfen in Banken, Behörden, Kliniken oder an Kassen.

Ein weiteres Problem ist das fehlende Bewusstsein beim Personal. Mitarbeitende wissen meist nicht, wie sie angemessen auf Menschen mit Hörschädigung reagieren sollen. Wichtige Maßnahmen sind zum Beispiel langsames und deutliches Sprechen, Blickkontakt halten, schriftliche Bestätigung von Informationen und den Mund nicht zu verdecken, damit die Betroffenen Lippenlesen können.

Darüber hinaus ist der Zugang zu aktuellen Informationen schwierig. Nachrichten, Zeitungsartikel oder öffentliche Bekanntmachungen sind oft zu kompliziert formuliert oder nicht barrierefrei aufbereitet. Dies kann dazu führen, dass Inhalte falsch verstanden oder wichtige Informationen verpasst werden.

Auch Online-Formulare und digitale Inhalte sind oft zu kompliziert und schwer verständlich, sodass sie von Menschen mit Hörschädigung nicht immer autonom genutzt werden können. Außerdem sind manche Formulare oder Informationen nur in einer Sprache, häufig Französisch, verfügbar, obwohl viele Personen diese Sprache nicht benutzen. Dies erschwert den Zugang zu Dienstleistungen zusätzlich.

Diese Barrieren führen nicht nur zu eingeschränkter Selbstständigkeit, sondern auch zu sozialer Isolation, da Menschen mit Hörschädigung an Besprechungen, Veranstaltungen oder Gruppengesprächen nur teilnehmen können, wenn diese angepasst sind und technische Hilfsmittel wie Induktionsschleifen, oder menschliche Hilfen wie Gebärdensprachdolmetscher und Schiftdolmetscher zur Verfügung stehen. Gebärdensprachdolmetscher sind dabei sehr wichtig, jedoch nutzen nicht alle gehörlosen Personen die Deutsche Gebärdensprache (DGS). Deshalb sind auch Schriftdolmetscher sinnvoll.

Wie stellen Sie sich die Zusammenarbeit zwischender der HörgeschädigtenBeratung und dem OSAPS vor?

Für uns ist es wichtig einen Ansprechpartner im Bereich der Zugänglichkeit von Produkten und Dienstleistungen zu haben. Stossen wir bei unserer Arbeit mit den Betroffenen auf Barrieren, können wir diese mit dem Osaps besprechen und herausfinden, ob sie in den Zuständigkeitsbereich des Osaps fallen oder nicht. Es bestehen noch viele Barrieren, nicht nur für Menschen mit einer Hörschädigung sondern auch für andere Personen, da ist es wichtig eine Anlaufstelle zu haben, die die Anliegen der Betroffenen aufnehmen kann und sich übergreifend dafür einsetzt, dass die Zugänglichkeit verbessert wird.

Zum Schluss, was erhoffen Sie sich in Zukunft generell beim Thema „Barrierefreiheit“?

Der Wunsch für die Zukunft ist, dass wir alle gemeinsam weiter an einer Barrierefreien Welt arbeiten und auf die geleistete Arbeit aufbauen. Das Thema Barrierefreiheit ist in den letzten Jahren, unter anderem durch den Aufbau von spezialisierten Dienststellen wie dem Osaps und dem Akzent, mehr in die Mitte der Gesellschaft gerückt. Hier müssen wir das Thema unbedingt behalten.

 

Vielen Dank für dieses kurze Gespräch.

 

HörgeschädigtenBeratung SmH

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